II.4.1.2.3 Homophonie

Bei Homophonen handelt es sich um sprachliche Einheiten, die in der gesprochenen Sprache nicht voneinander unterschieden werden können, in der Schreibweise aber voneinander abweichen, wie z.B. Lid und Lied oder malen und mahlen. Es sind also Sprachzeichen, die gesprochen homonym und geschrieben paronym sind, daher werden sie zuweilen auch partielle Homonyme genannt.39
Wortspiele, die auf Homophonie beruhen, können ebenfalls vertikal oder horizontal realisiert werden, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Der Lehrer lehrt Russisch – und der Postangestellte den Briefkasten.

Eine Glocke wird eingeweiht und der Redakteur verfaßt einen den Leuten das Läuten erläuternden Leitartikel.40

Diese Beispiele sind analog zu denen im vorangegangenen Kapitel zu interpretieren. Die Terminologie für die Wortspieltypen richtet sich – aus bereits genannten Gründen – danach, ob das Wortspiel gesprochen oder geschrieben wird. Da sich Homophone im ersten Fall wie Homonyme verhalten, sollen auch hier die Bezeichnungen Amphibolie und Variation gelten, im zweiten Fall erscheinen die Termini für Paronymie-Spiele sinnvoll, die vertikale Realisation wird demnach Substitution genannt, die horizontale Paronomasie.41
Anzumerken bleibt, daß sich die Homophonie nicht zwangsläufig an die Wortgrenzen hält, wie das folgende vielzitierte Beispiel illustrieren soll:

Die Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht was Leiden schafft.42
Nächste Seite
II.1.2.4 Homographie
Vorherige Seite
II.4.1.2.2 Homonymie
Übergeordnetes Kapitel
II.4.1.2 Komplexe-Text-Spiele