II.4.1.3.1 Vorbemerkungen

Wie der Name schon sagt, umfaßt diese zweite Gruppe Wortspiele mit Sprachzeichen, deren Ausdrucksseite anomal ist, die also in der verwendeten Form nicht im Basislexikon der Sprache enthalten sind. Ausdrucksanomalien können mit unterschiedlichen Techniken erzeugt werden, auf die im folgenden näher eingegangen wird. Grundsätzlich ist aber vorauszuschicken, daß auch Ausdrucksanomalien alle in Kap. II.3.4 genannten Definitionskriterien erfüllen müssen, um als Wortspiele zu gelten. Es liegt in der Natur der Sache, daß Ausdrucksanomalien normwidrig sind, deshalb ist hier die Möglichkeit der Interpretation und der damit verbundene Transport metasprachlicher Information von besonderer Wichtigkeit. Wie bereits erwähnt, werden in dieser Arbeit absolute Neologismen (Neologismen ex nihilo) nicht als Wortspiele angesehen, da bei ihnen die Möglichkeit der Interpretation durch die Rückführung auf die Normen, die sie (im Übermaß) durchbrechen, nicht gegeben ist.53
Die ausgeprägte Normwidrigkeit ist auch der Grund dafür, daß Wortspiele mit Ausdrucksanomalien immer textintern sind. Sie können zwar durch außersprachliche Mittel gestützt werden, sind jedoch auf jeden Fall auch ohne diese als Normverletzung und damit als Wortspiel erkennbar.

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II.4.1.3.2 Anomale Kombination von sprachlichen Einheiten
Übergeordnetes Kapitel
II.4.1.3 Ausdrucksanomalien