II.4.1.3.2 Anomale Kombination von sprachlichen Einheiten

Sprachliche Einheiten lassen sich auf verschiedene Arten miteinander kombinieren: Werden zwei Lexeme einfach nur aneinander gehängt, entsteht zumeist ein normkonformes Kompositum. Wenn die beiden Lexeme nicht völlig allotop54 sind, handelt es sich dabei nicht um eine Normwidrigkeit, also auch nicht um ein Wortspiel. Werden aber bei der Zusammensetzung der Lexeme gemeinsame Phoneme oder Morpheme "haplologisch erspart"55 und entsteht dabei eine neue Wortform, die nicht im Lexikon der Sprache gespeichert ist, handelt es sich um eine Ausdrucksanomalie, folglich um ein Wortspiel. Ein Beispiel hierfür wäre

Scheusalinger.56

Hier werden das Lexem Scheusal und der Eigenname Salinger aneinander gehängt, das deckungsgleiche -sal- wird einmal ausgespart. Wie Heibert 1993, 76 ganz richtig anmerkt, entsteht durch solche Zusammensetzungen nur eine Isotopie (in diesem Fall: Herr Salinger ist ein Scheusal), worin begründet liegt, daß Ausdrucksanomalien prinzipiell nicht zu den Komplexen-Text-Spielen gerechnet werden können.57
Ähnlich verhält es sich mit der zweiten Möglichkeit, sprachliche Einheiten miteinander zu kombinieren, der Verschmelzung, i.e. das Ineinanderschieben von sprachlichen Einheiten. Ein Beispiel für eine haplologische Verschmelzung ist das folgende:

dämondän.58

Die beiden Adjektive dämonisch und mondän werden zu einem neuen Adjektiv verschmolzen, auch hier ergibt sich nur eine Isotopie.
Eingangs dieses Abschnitts wurde erwähnt, daß auch völlig allotope sprachliche Einheiten miteinander kombiniert werden können, wie z.B. Pflanze und Pferd zu

Pflardze.59

Bei solchen Nonsenskombinationen bzw. –verschmelzungen handelt es sich nicht um Wortspiele, wenn "keine referentielle Textaussage"60 entsteht, da man es dann nicht mit einer kommunikativen sprachlichen Äußerung zu tun hat.

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