V.2.7 Lautverschriftungen

Entgegen den Erwartungen, die die Belegsammlung bei Dittgen 1989 wecken könnte, spielen die Lautverschriftungen in den Anzeigen des Korpus nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt wurden sechs Belege gefunden, vier davon in Schlagzeilen, zwei in Produktnamen. Bei allen Belegen ist nur ein Sprachsystem beteiligt und wurden somit als Intralingualspiele identifiziert.
Die ersten beiden Belege fallen vor allem durch die ungewöhnliche Aneinanderreihung der gleichen Grapheme auf:

(128)
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Schon mal sooo sahnig gebacken?
(Schlagzeile, Kraft (E&T), B16-183)

(129)
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Mmmnnnougat
(Schlagzeile, Langnese (E&T), B13-208)

Der Effekt, eine erhöhte Expressivität, ist in beiden Fällen gleich, die Funktion der Lautverschriftung ist aber verschieden. In (128) drückt das sooo eine starke Betonung des Lexems so aus. In Beispiel (129) geht die Lautverschriftung des Geräuschs, das jemand macht, wenn er etwas lecker findet, über in das Lexem Nougat. Insofern könnte man fast von einer anomalen Kombination sprechen. Das gesamte Gebilde Mmmnnnougat drückt in ökonomischer und expressiver Form in etwa aus: Lecker, Nougat. Stellt man sich diese Paraphrase als alternative Schlagzeile vor, so wird deutlich, daß durch die Lautverschriftung die Vermittlung eines starken Gefühls für das Produkt ermöglicht wird.
Eine andere Art der Lautverschriftung liegt in der folgenden Schlagzeile vor:

(130)
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Nulleinsdreinull
(Schlagzeile, Telekom (Tele), A23-175)

Normgerecht wäre die numerische Schreibweise 0130, die aber weniger auffällig wäre. Somit ist einerseits anzunehmen, daß der Werbetexter die ausgeschrieben Variante wählte, um einen Blickfang zu schaffen, auf der anderen Seite, daß die Erinnerung des Rezipienten an die genaue Reihenfolge der Zahlen erleichtert werden soll.
Zwei der Intralingualspiele waren innerhalb des englischen Sprachsystems anzusiedeln:

(131)
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Just 4 Fun
(Schlagzeile, Motorbuch Verlag (Zs/B), A05-123)

(132)
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[…] unser neues Büroarbeitsplatz-Programm x-act.
(Name im Text, planmöbel (Woh), S02-098)

Sowohl die Schlagzeile als auch der Produktname erhalten durch die Lautverschriftung eine höhere Expressivität. Der spielerische Umgang mit Elementen einer anderen Sprache erweckt zudem einen Eindruck von der Weltoffenheit der werbenden Firma.
Als Lautverschriftung einer Kurzform ist schließlich der folgende Produktname einzustufen:

(133)
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UVau Derm
Aus Liebe zur Sonne. Aus Liebe zur Haut.
(Name in Schlagzeile, UVau Derm (Kos), B09-169)

Durch die Lautverschriftung erhält die Abkürzung UV erst die Qualität eines Namens, ihre Bedeutung schwingt weiter mit, da es sich um eine Sonnenmilch handelt, die vor schädlichen UV-Strahlen schützen soll.

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