V.2.8 Einordnungsschwierigkeiten mit Sonderfällen

Wenn bisher von Schwierigkeiten bei der Zuordnung von Belegen zu einem Wortspieltyp die Rede war, bezog sich das zumeist darauf, daß der Beleg verschiedenen Typen zugeordnet weden konnte. Drei Belege paßten jedoch in keine der vorhandenen Kategorien. Es handelt sich dabei um drei Schlagzeilen, die alle aus einer Anzeigenserie stammen. Bei allen dreien wird das gleiche Prinzip angewendet:

(134)
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Unitedairline
sfliegtjetztohn
eunterbrechu
ngvondüsseld
orfnachchica
go.
(Schlagzeile, United Airlines (Frei), S07-008)

(135)
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Andere.
Fliegen.
Auch.
Nach.
Chicago.
Aber nicht
nonstop.
(Schlagzeile, United Airlines (Frei), S09-231)

(136)
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Wöchentlich über 100mal in die USA nonstop, nonstop, nonstop, […], nonstop, nonstop...
(Schlagzeile, United Airlines (Frei), S12-123)

In (134) verdeutlicht das Weglassen der Leerstellen die Werbeaussage, daß die Fluggesellschaft ohne Unterbrechung nach Chicago fliegt. Bei (135) ist es genau umgekehrt; die Punkte zwischen den einzelnen Wortformen symbolisieren die - offenbar zahlreichen - Zwischenstops der Konkurrenz. Bei der Schlagzeile (136) schließlich wird das Lexem nonstop tatsächlich nonstop wiederholt. Es besteht bei allen drei Belegen eine Beziehung zwischen der Inhalts- und Ausdrucksseite der Aussage. Die drei Beispiele den textexternen Komplexen-Text-Spielen zuzuordnen, würde der Besonderheit der Belege nicht gerecht. Zudem würde es vor allem bei der Schlagzeile (134) Schwierigkeiten bereiten, die sprachliche Einheit zu bezeichnen, mit der gespielt wird.
Es wäre möglich, für diese Belege einen eigenen Wortspieltyp in die Typologie einzufügen; Heibert 1993, 97 schlägt für ähnliche Fälle den Begriff semiotische Spiele vor. Für die Typologie in dieser Arbeit wäre dieser Begriff aber wiederum nicht unproblematisch, da alle textexternen Wortspiele in gewisser Weise semiotische Spiele sind. Daher wurden die genannten Beispiele außerhalb der eigentlichen Typologie beschrieben.

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